1. Definition und Abgrenzung von KRITIS
Kritische Infrastrukturen (KRITIS) sind Organisationen und Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das Gemeinwesen1. Ausfälle oder Beeinträchtigungen führen zu erheblichen Versorgungsengpässen oder Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit1.
Zu den KRITIS-Sektoren gehören1:
- Energieversorgung (Elektrizität, Gas, Mineralöl)
- Wasserwirtschaft (Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung)
- Informationstechnik und Telekommunikation
- Gesundheitswesen
- Finanz- und Versicherungswesen
- Transport und Verkehr
- Ernährung
- Staat und Verwaltung
Die Einstufung als KRITIS-Betreiber erfolgt anhand von Kriterien wie Anlagengröße, Durchsatz (z. B. Megawatt-Leistung im Energiesektor) oder Versorgungsgrad (z. B. Versorgung von mehr als 500.000 Personen)1.
2. Paradigmenwechsel durch IT/OT-Konvergenz
Die Anbindung von Betriebstechnologie (OT) an das Internet und Informationstechnik (IT) wird durch Industrie 4.0 und das Industrial Internet of Things (IIoT) getrieben1.
- Traditioneller Ansatz: Physische Isolation ("Air-Gapping") von OT-Systemen gegenüber externen Netzen1.
- Konvergenter Ansatz: Zunehmende Vernetzung für Echtzeitdatenanalyse, Fernwartung und Effizienzsteigerung1.
- Auswirkung: Die historische Annahme des Schutzes durch physische Isolation ist hinfällig; der Sicherheitsfokus verschiebt sich von reiner Perimeterisolation hin zu mehrschichtigen Verteidigungskonzepten1.
3. Merkmale des Industrial Internet of Things (IIoT)
Das IIoT umfasst die Anwendung von IoT-Technologien in industriellen Umgebungen1. Die Kernmerkmale sind1:
- Vernetzte Sensoren und Aktorik zur Zustandserfassung (z. B. Temperatur, Druck, Vibration)
- Kontinuierliche Datenübertragung über Kommunikationsnetze (z. B. Ethernet, WLAN, 5G, 450 MHz)
- Datenverarbeitung und -analyse (lokal, Edge oder Cloud)
- Automatisierte Prozesssteuerung und Unterstützung der Instandhaltung
4. Anwendungsfälle im KRITIS-Umfeld
Aktuelle Use Cases
- Fernüberwachung im Energiebereich: Anbindung von Kurzschlussanzeigern über Mobilfunk/LPWAN zur schnellen Fehlerlokalisierung1.
- Messwesen: Intelligente Messsysteme (iMSys) unter Nutzung des 450-MHz-Frequenzbands1.
- Wasserwirtschaft: Vernetzte Sensorik zur Leckageerkennung und Diebstahlprävention1.
- Verkehrsleittechnik: Verschlüsselte Anbindung von Straßenausstattung und Logistiksystemen1.
Zukünftige Use Cases
- Prädiktive Wartung: Automatisierte Leistungsauswertung und Fehlererkennung vor dem Auftreten von Systemausfällen1.
- Smart Grids: Sensorbasierte Echtzeitüberwachung zur Steuerung der Energieverteilung und schnellen Reaktionsfähigkeit bei Ausfällen1.
- Prozessoptimierung in Öl & Gas: Pipeline-Monitoring und Echtzeit-Erkennung von Druckschwankungen und Lecks1.